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Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg

Experten für die komplizierten Fälle

Handchirurgie am Malteser Krankenhaus ist als Schwerstverletztenzentrum anerkannt worden

30.01.2015

Rund 40 Prozent aller Unfälle am Arbeitsplatz verletzten die Hand oder das Handgelenk. 80 Prozent dieser Verletzungen wiederum sind so genannte isolierte Handverletzungen, es ist also kein anderes Körperteil betroffen. Diese Zahlen haben dazu beigetragen, dass im Jahr 2014 eine gesetzliche Neureglung für die Versorgung von Verletzungen der Hände durch Arbeitsunfälle in Kraft trat. Ausschließlich durch die Berufsgenossenschaften anerkannte Schwerstverletztenzentren sind seither für die Behandlung dieser Unfallfolgen zugelassen. Eines der wenigen bisher anerkannten Zentren ist die Klinik für Handchirurgie am Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg.

Spezialisten für Handverletzungen
Für die Anerkennung als Handschwerstverletztenzentrum muss ein Krankenhaus strenge Kriterien erfüllen: Beispielsweise muss rund um die Uhr ein erfahrener Handchirurg verfügbar sein, das Ärzteteam muss aus mindestens drei Fachärzten mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie bestehen und eine bestimmte OP-Ausstattung muss vorhanden sein. Dass die Handchirurgie im Malteser Krankenhaus im Jahr 2011 als eines der wenigen deutschen Hand Trauma Center durch den Dachverband der europäischen handchirurgischen Gesellschaften zertifiziert wurde, hat die Anerkennung durch die Berufsgenossenschaften beschleunigt, da viele dieser Kriterien dadurch bereits nachweislich erfüllt waren.
Dr. Martin Richter, Chefarzt der Handchirurgie im Malteser Krankenhaus, erklärt, warum die Versorgung von Handverletzungen durch Spezialisten so wichtig ist: „Besonders die Erstversorgung ist entscheidend! Wird in den ersten Stunden nach einer schweren Handverletzung nicht richtig behandelt, ist der Therapieerfolg kaum noch zu erreichen.“ Eine richtige Erstversorgung setze dabei eben auch die entsprechende Spezialisierung des ärztlichen Teams voraus: „Unfallchirurgien und große Schwerverletztenzentren behandeln alle Unfallverletzungen – egal, ob Kopf, Arme, Beine oder Bauch betroffen sind. Wir operieren über 2000 Hände im Jahr und haben entsprechend viel mehr Erfahrung in diesem Bereich.“ Spätestens wenn der Handchirurg erzählt, wie mit Nahtmaterial, das etwa halb so dünn wie ein menschliches Haar ist, kleinste gerissene Blutgefäße in einem Finger wieder zusammengenäht werden – unter einem Operationsmikroskop mit bis zu 20facher Vergrößerung – wird verständlich, dass diese Eingriffe große Erfahrung verlangen.

„Das ist wie ein Sechser im Lotto!“
Von dieser Erfahrung hat auch Reiner Giesa (58) profitiert. Der Energieanlagenelektroniker riss sich bei der Bearbeitung eines Blechteils den linken Daumen ab – und wurde vom Rettungsdienst in das Bonner Malteser Krankenhaus gebracht. „Dass ich in dieses Krankenhaus gekommen bin, war mein Glück“, befindet Giesa knapp ein halbes Jahr nach dem Unfall. Sein Daumen ist von Dr. Bernd von Maydell, Oberarzt in der Klinik für Handchirurgie, in einer rund vierstündigen Operation replantiert worden. Und das Ergebnis beschreibt Reiner Giesa als „Sechser im Lotto“: Der Daumen ist wieder beweglich und voll durchblutet; Giesa kann an dem Daumen zwar noch nicht wieder normal fühlen, doch die Chancen stehen gut, dass auch das wieder der Fall sein wird. Seine Verletzung bezeichnet Chefarzt Richter als „eher komplizierten Fall“, da die Vorraussetzungen für eine Replantation bei einer Abrissverletzung schwieriger seien als bei der Abtrennung eines Fingers durch eine Schnittverletzung. Dennoch: Die Operation ist geglückt und Reiner Giesa sagt, er sei „richtig happy“. Damit zeigt sein Fall, dass es durchaus sinnvoll ist, Arbeitsunfälle an der Hand nur noch in spezialisierten Zentren zu behandeln – und dass die Handchirurgen im Malteser Krankenhaus die spezialisierte Erfahrung als eines der bisher wenigen Zentren dieser Art vorweisen kann.

 

Ärztlicher Rat: Was tun im Notfall?
Chefarzt Dr. Martin Richter erlebt es häufig, dass Patienten, die sich bei einem Unfall einen oder mehrere Finger abtrennen, falsch reagieren. „Oft kommen diese Patienten hierher und bringen die abgetrennten Gliedmaßen in einem Beutel voller Eis mit“, erzählt er. Dies sei falsch, da Gewebe und Gefäße, die einmal gefroren waren, nicht mehr replantiert werden können. Der Handchirurg erklärt, wie der richtige Umgang mit einem abgetrennten Finger ist: „Die ideale Temperatur für den Transport sind etwa vier Grad. Der Rettungsdienst hat spezielle Behälter für diese Fälle. Menschen, die ohne Rettungsdienst ins Krankenhaus kommen, füllen am besten kaltes Wasser mit einigen Eiswürfeln in eine wasserdichte Tüte. Der Finger kommt in eine zweite saubere und trockene Tüte, die dann – fest verschlossen – in die erste Tüte gegeben wird. So bleiben abgetrennte Gliedmaßen sauber und trocken, werden gekühlt, aber nicht gefroren. Damit steigen die Chancen für eine erfolgreiche Replantation erheblich!“