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Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg

Kleines Organ - große Wirkung: Wie Erkrankungen der Schilddrüse erkannt und behandelt werden

Am 20. April 2015 startet die Schilddrüsen-Aktionswoche "Papillon". Prof. Dr. Michael Göke, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, und Zita Cochet, Leiterin des Zentrums für Schilddrüsenchirurgie, beantworten Fragen rund um Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des "Schmetterlingsorgans".

20.04.2015
Kleines Organ - große Wirkung
Kleines Organ - große Wirkung

Zunächst: Was ist die Funktion der Schilddrüse?

Prof. Dr. Michael Göke: Die Schilddrüse - ein sehr kleines Organ - dient vor allem der Jodspeicherung und der Hormonbildung. Sie reguliert aber auch Körperfunktionen wie den Wasserhaushalt oder die Körpertemperatur und beeinflusst quasi jedes Organ des Körpers, den Herzkreislauf sowie Knochen und Skelettmuskulatur. Eine Erkrankung kann vielfältige Ursachen haben. Häufig liegen die Gründe in einem Jodmangel, aber auch Veranlagung, Vererbung, Geschlecht und Alter spielen eine Rolle.

Was sind typische Anzeichen für eine Erkrankung der Schilddrüse?

Prof. Dr. Michael Göke: Äußert ein Patient Symptome wie Schluckbeschwerden, Luftnot oder ein Engegefühl im Hals, können dafür Schilddrüsenerkrankungen wie Unter- oder Überfunktion, eine Entzündung oder gut-/bösartige Knoten Ursache sein. Weitere Merkmale bei einer Unterfunktion können beispielsweise häufiges Frieren, gesteigertes Schlafbedürfnis, deutliche Gewichtszunahme und Gedächtnisstörungen sein; eine Überfunktion zeigt sich durch Gewichtsabnahme, Haarausfall, Stimmungsschwankungen, gesteigerte Nervosität und verstärktes Schwitzen.

Welche Untersuchungen geben Aufschluss über eine mögliche Erkrankung?

Zita Cochet: Eine Blutuntersuchung gibt uns u.a.  Aufschluss, ob die Schilddrüse genügend Hormone produziert. Wir können so erkennen, ob eine Unter- oder Überfunktion vorliegt . Mit Hilfe des Ultraschalls (Schilddrüsen-Sonographie) können wir Größe und Struktur der Schilddrüse darstellen und  Gewebeveränderungen wie Knoten und Zysten feststellen. In der Schilddrüsenszintigraphie lassen sich diese Veränderungen weiter diagnostizieren. Dabei wird dem Patienten ein niedrig dosierter radioaktiver Stoff verabreicht, der sich wie Jod verhält und in der Schilddrüse angereichert wird. Mit einer speziellen Kamera lässt sich somit die Aktivität der Schilddrüse bildlich darstellen. So lassen sich insbesondere die so genannten warmen Knoten, also aktives Schilddrüsengewebe von den "kalten Knoten", dem inaktiven Schilddrüsengewebe unterscheiden. Kalte Knoten bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit und unter Umständen weiterer Abklärung, da sich ein Schilddrüsenkrebs darin verbergen kann.

Wie werden die verschiedenen Erkrankungen der Schilddrüse behandelt?

Zita Cochet: Eine Schilddrüsenunterfunktion reagiert gut auf eine Behandlung mit Hormonen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion gibt es - abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung - verschiedene Therapieansätze: Zum einen die rein medikamentöse Therapie, häufig ist jedoch eine Verminderung der Schilddrüsengewebes zur Normalisierung des Hormonhaushaltes erforderlich, die man z.B. durch eine Radiojodtherapie erreichen kann. Oft ist jedoch auch ein operativer Eingriff erforderlich. Eine eindeutige Operationspflicht besteht bei nachgewiesenem Schilddrüsenkrebs oder Befunden, die den Verdacht auf eine Krebserkrankung aufkommen lassen, zum Beispiel wachsende  auffällige "kalte Knoten". Bei nachgewiesenem Schilddrüsenkrebs erfolgt in der Regel die Entfernung des gesamten Organs, unter Umständen auch der angrenzenden Lymphknoten mit anschließender Radiojodtherapie.

Wie sind die Heilungschancen?

Prof. Dr. Michael Göke: Viele Erkrankungen lassen sich gut mit Medikamenten oder Hormonen behandeln. Diese müssen dann zwar dauerhaft eingenommen werden, dafür lebt der Patient meist beschwerdefrei.
Zita Cochet: In den Fällen, in denen die Entfernung von Teilen oder des ganzen Organs notwendig ist, ist ebenfalls ein beschwerdefreies Leben möglich. Das gilt auch für Tumorerkrankungen! Früh erkannt bestehen nach der Operation mit einer anschließenden Radiojod-Therapie sehr gute Chancen auf eine vollständige Heilung.

Welche Einschränkungen treten nach der Entfernung des Organs auf?

Zita Cochet: Ein Leben ohne Schilddrüse ist problemlos. Patienten, bei denen die Schilddrüse komplett entfernt wurde, müssen dauerhaft Hormonpräparate (Thyroxin) in Form einer Tablette am Morgen einnehmen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen - davon abgesehen bringt die Entfernung dieses Organs aber keine Einschränkungen mit sich.

Viele weitere Informationen zu Untersuchung und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen finden Sie auf den Seiten der Klinik für Innere Medizin und des Zentrums für Schilddrüsenchirurgie.

Kontaktinformationen:
Zentrum für Schilddrüsenchirurgie: 0228 6481-241
Klinik für Innere Medizin: 0228 6481-311