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Krebs durch Brustimplantate? - Die wichtigsten Antworten zu BIA-ALCL

Die wichtigsten Fragen zu "BIA-ALCL": Plastische Chirurgin gibt Antworten

27.11.2017

Dr. med. univ. Maria Wiedner ist Chefärztin der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie im Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg. Die Brustchirurgie gehört zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit. Weitere Informationen gibt es unter www.malteser-plastische.de

Was genau ist "BIA-ALCL"?
Wiedner: Die Abkürzung steht für Brustimplantat-assoziiertes anaplastisch-großzelliges Lymphom. Was sehr sperrig klingt, ist eine sehr seltene Variante des Non-Hodgkin-Lymphoms, also eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. ALCL wird seit 1985 als eigenes Krankheitsbild klassifiziert - die Ergänzung "BIA", als Brustimplantat-assoziiert, hat die Weltgesundheitsorganisation erst vor kurzem in die Klassifikation aufgenommen.

Dass die Weltgesundheitsorganisation WHO BIA-ALCL als eigenes Krankheitsbild aufführt, zeigt also, dass der Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung und Brustimplantaten bewiesen ist?
Wiedner: Ja und nein. Die Aufnahme durch die WHO ist zunächst provisorisch, weil eine absolut gesicherte Studienlage noch nicht vorliegt. Sehr viel weist darauf hin, dass bestimmte Implantate die Erkrankung auslösen können. Zwischen dem Einsetzen der Implantate und dem Ausbruch der Krankheit liegen aber viele Jahre, so dass die Forschung einfach noch etwas Zeit braucht, um eine noch größere Anzahl von Fällen zu untersuchen. Gesichert scheint aber zu sein, dass bestimmte Implantate in Zusammenhang mit einem erhöhten - wenn auch insgesamt geringen - Risiko einer ALCL-Erkrankung stehen.

Um welche Implantate handelt es sich dabei?
Wiedner: Das Risiko einer BIA-ALC-Erkrankung besteht laut der aktuellen Studienlage vor allem bei Implantaten mit strukturierten Oberflächen. Die Textur des Implantats scheint also eine wichtige Rolle zu spielen - bei Implantaten mit glatten Oberflächen ist das Risiko deutlich geringer. Das Füllmaterial des Implantats scheint übrigens keinerlei Einfluss auf das BIA-ALCL-Risiko zu haben.

Wie genau entsteht das Lymphom?
Wiedner: Zunächst bildet sich nach der Operation eine Bindegewebskapsel rund um das Implantat. Das ist normal und eine natürliche Abwehrreaktion, da das Implantat zunächst als Fremdkörper wahrgenommen wird.  Bei Frauen, die eine BIA-ALCL entwickeln, entsteht nach mehr als einem Jahr nach der Brustvergrößerung ein Serom, also eine Flüssigkeitsansammlung zwischen dem Implantat und dieser Bindegewebskapsel. Die Seromflüssigkeit enthält Lymphzellen, die sich in bösartige Krebszellen verwandeln können. Diese sind in den meisten Fällen auf das Serom beschränkt, es gibt aber auch Fälle, in denen auch die Bindegewebskapsel betroffen ist. Dann besteht die Gefahr, dass die Lymphknoten ebenfalls Tumorzellen aufweisen.

Wie kann eine BIA-ALCL diagnostiziert werden?
Wiedner: Mit der Entnahme von Proben der Seromflüssigkeit und der Bindegewebskapsel kann die Erkrankung eindeutig nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Proben können wir unter lokaler Betäubung bei einer Biopsie entnehmen, es ist also keine Operation notwendig. Der Laborbefund weist dann eindeutig nach, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht.

Wie kann Frauen geholfen werden, die unter BIA-ALCL leiden?
Wiedner: Die Therapieempfehlung ist sehr eindeutig: Sowohl das Implantat als auch die Kapsel, die das Implantat umgibt, müssen vollständig entfernt werden. Besteht der Verdacht, dass Lymphknoten befallen sein könnten, werden diese zur Sicherheit ebenfalls entfernt. Vorhandene Studien zeigen, dass bei den meisten Fällen die Patientinnen anschließend als geheilt gelten. Hat der Tumor bereits Tochtergeschwülste gebildet, müssen diese unter Umständen ebenfalls entfernt oder mit einer anderen Therapie behandelt werden.

Was raten Sie Frauen, die Angst haben, von BIA-ALCL betroffen zu sein oder nicht sicher sind, ob Sie betroffen sein könnten?
Wiedner: In unserem Alltag erleben wir immer wieder, dass viele Frauen, die Brustimplantate tragen, sehr verunsichert sind und häufig nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Außerdem gibt es oft gewisse Skrupel, das Thema beim Arzt anzusprechen, weil Betroffene das Gefühl haben, die Krankheit selbst verschuldet zu haben. Hier raten wir eindeutig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Ganz egal, warum Sie Implantate tragen, es gibt keinen Grund, die Sorgen zu einer Folgeerkrankung nicht zu besprechen. Dazu können Frauen sich an ihren Gynäkologen oder im Zweifelsfall auch an ihren Hausarzt wenden. Bei Bedarf wird er an entsprechende Spezialisten weiterverweisen. Für Frauen, die das nicht möchten, bieten wir eine telefonische Erstinformation an. Mein Team aus dem Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg und ich beantworten dort Fragen zu BIA-ALCL. Eine individuelle Beratung ist am Telefon natürlich nicht möglich, aber grundsätzliche Fragen können wir dort beantworten und damit viel Unsicherheit nehmen.

Die Hotline für Fragen zu BIA-ALCL ist bis Ende des Jahres jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0228 6481-9161 zu erreichen. Chefärztin Dr. med. univ. Maria Wiedner steht dann als Gesprächspartnerin für Betroffene zur Verfügung.