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Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg

Heuschnupfen ernst nehmen – Was gegen Allergien hilft

Die heftige Grippewelle ist gerade überstanden, doch durchatmen können viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes immer noch nicht. Wer unter einer laufenden oder verstopften Nase, tränenden Augen und einem Kratzen im Hals leidet und sich dazu abgeschlagen fühlt, fragt sich vielleicht, ob ein Infekt verschleppt wurde. Gerade im Frühling haben diese Symptome aber oft andere Ursachen und weisen auf einen allergiebedingten Heuschnupfen hin.

26.03.2018
Dr. Marcus Joest vom Malteser Lungen- und Allergiezentrum in Bonn
Dr. Marcus Joest vom Malteser Lungen- und Allergiezentrum in Bonn

Woran erkenne ich eine Allergie?
„Heuschnupfen ist eher fließend und das Sekret meist durchsichtig bis hellgelblich,“ erklärt Dr. Marcus Joest vom Malteser Lungen- und Allergiezentrum in Bonn. Fieber und Gliederschmerzen seien hingegen typisch für einen Infekt, die meisten Allergiker bleiben davon verschont. Wer weiterhin leidet und unsicher ist, sollte zum Arzt gehen. Je früher eine Allergie erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Chancen auf Besserung.

Wie werden Allergien getestet?
 „Der Hauttest ist immer noch der Standardtest, um nach einer Allergie zu schauen. Der Vorteil ist, dass man relativ viele Allergene – von Pollen, über Schimmelpilze bis zu Tierhaaren – mit einem Test auf Reaktionen überprüfen kann,“ so Dr. Joest. Bei der auch Pricktest genannten Untersuchung werden Tropfen allergenhaltiger Lösungen auf die Haut aufgetragen und die entsprechenden Stellen mit einer Lanzette oder Nadel oberflächlich eingeritzt. Durch den Kontakt der Allergene mit den Abwehrzellen, tritt bei Sensibilisierung eine allergische Reaktion in Form von Rötungen und/oder Quaddeln auf. Zudem kann der Patient einen Juckreiz verspüren. Je nach Schwere der Reaktion, ist die entsprechende Allergie mehr oder weniger stark ausgeprägt. Alternativ oder ergänzend kann eine Allergie auch im Blut durch IgE-Antiköper gegen die auslösenden Antigene nachgewiesen werden.
 Steht die Diagnose Allergie, sollte schnell mit der Therapie begonnen werden. Allergologen warnen nachdrücklich vor dem sogenannten Etagenwechsel, bei dem aus einer Allergie der oberen Atemwege ein Asthma wird. Trotzdem lassen sich nur 35 Prozent aller Allergiker in Deutschland von einem Arzt behandeln, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung aus dem Jahr 2014 zeigt.

Was kann ich gegen meine Allergie tun?
Frei verkäufliche Nasensprays, Augentropfen und Antihistaminika können bei akuten Symptomen Abhilfe schaffen. Auch Pollenfilter für das Auto oder Pollengitter für die Fenster helfen dem Betroffenen, Allergene zu vermeiden. Das regelmäßige Wechseln der Kleidung und das Waschen der Haare bevor man ins Bett geht, unterstützen dieses Vorgehen. Dr. Joest hat noch einen ganz besonderen Tipp: „Wenn es irgendwie möglich ist, kann man in seiner Hauptbeschwerdezeit auch an einen Ort in den Urlaub fahren, an dem die Pollenbelastung niedriger ist. Hier bietet sich das Hochgebirge an.“
 
Der Allergie-Experte betont aber auch, dass nicht nur die Behandlung der Symptome, sondern vor allem eine langfristige Therapie in Form einer Hyposensibilisierung hilft. Dabei werden mit einer Spritze oder in Tablettenform regelmäßig immer größere Allergendosen verabreicht und so die Allergie-Ursache, also die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber den Allergenen, bekämpft. Die Therapiezeit streckt sich aktuell noch über drei bis fünf Jahre und ist somit sehr langwierig, aber die Wissenschaft arbeitet an neuen Konzepten, um die Behandlung von Allergien zu vereinfachen. Als Beispiel erwähnt Dr. Joest das lokale Injizieren der Allergene in Lymphknoten, was die Therapie bei gleichem Erfolg deutlich verkürzen könnte. Diese Methode ist jedoch außerhalb von Studien für die Versorgung der Allergiker noch nicht verfügbar. Betroffenen bieten auch ein Pollenflugkalender oder ein Pollentagebuch Hilfe bei der Allergen-Vermeidung von Erle, Birke und Gräsern.

Nimmt die Zahl der Allergiker zu?
Jeder Dritte Europäer leidet heutzutage unter den verschiedensten Arten von Allergien. Der Eindruck, dass immer mehr Menschen von Heuschnupfen und Co. betroffen sind, täuscht dabei nicht. Als Gründe nennt Dr. Joest übertriebene Hygienevorstellungen, veränderte Umweltbedingungen, bedingt von Klimawandel und höheren Feinstaubbelastungen, die Pollen biologisch aktiver machen.