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Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg

Weltnichtrauchertag "Glaubt an euch!"

Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Monika Antweiler-Stutz berät in unserem Lungenkrebszentrum Raucher und erklärt, warum Nikotin so gemein ist, warum es kein Patentrezept, aber bewährte Empfehlungen für den Rauch-Stopp gibt und wie er gelingen kann.

31.05.2018

Frau Antweiler-Stutz, Rauchen ist teuer, ungesund und unvernünftig. Eigentlich weiß das jeder. Warum rauchen Menschen trotzdem?
Weil Rauchen eine schnelle Abhängigkeit entwickelt. Das wirkliche Problem ist das im Zigarettenrauch enthaltene Nikotin.
Dopamin, ein Glückshormon, wird freigesetzt, indem sich das Nikotin im Belohnungszentrum, also im Gehirn an den Rezeptoren andockt, und das "Glückshormon" ausschüttet.
Ein Absinken des Dopaminspiegels wird vom Raucher als unangenehm empfunden, und über das Inhalieren des Zigarettenrauches/Nikotin wieder korrigiert, um den dadurch entstehenden Entzug zu verhindern. Es entsteht die Nikotin-Abhängigkeit, so schnell, wie die Abhänigkeit vom Heroin, nur der Entzug ist weniger dramatisch und möglich.

Gibt es ein Patentrezept für den Ausstieg?
Nein, aber es gibt Erfahrungen, bewährte Methoden, individuelle Ideen, die den Ausstieg ermöglichen. Ganz wichtig ist, dass Raucher verstehen, was eigentlich passiert, wenn sie rauchen.
Damit ist nicht die Wirkung der Schadstoffe im Zigarettenrauch gemeint, sondern die des Nikotins. Ich erlebe oft, dass wenn der Raucher den Zusammenhang versteht und einen Blick auf sich und seine Abhängigkeit entwickelt, die Chancen für einen Rauchstopp größer sind. Der wirkliche körperliche Entzug dauert oft nur 10 bis 14 Tage, die psychologische Abhängigkeit individuell länger.

Wie können sich Raucher, die zum Nichtraucher werden möchten, motivieren?
Dass sie Nichtraucher werden möchten, ist ja schon der erste Schritt. Der Grund kann ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel, weil etwas anderes wichtiger ist, eine Schwangerschaft zum Beispiel. Da ist die Motivation, das Kind zu schützen, größer als die Abhängigkeit. Oder bei gesundheitlichen Einbrüchen - dann ist der Schutz der eigenen Gesundheit wichtiger als das Rauchen. Viele Menschen kommen aber auch einfach an einen Punkt, an sie sagen "das passt nicht mehr zu mir." Sie hören einfach auf.
Viel Information, Gespräche mit ehemaligen Rauchern und eine Beratung können dabei helfen Strategien zu entwickeln. Aber erst einmal ist alles, was ein Raucher sich überlegt, um nicht mehr zu rauchen, richtig.

Was ist der wichtigste Rat, den Sie Menschen geben können, die aufhören möchten zu rauchen?
Glaubt an euch! Das Vertrauen in sichselbst und dass man es schaffen kann, ist unglaublich wichtig. Nichtraucher werden ist möglich! Jeder Einzelne muss spüren, wann der für ihn richtige Zeitpunkt ist.

Zum Beispiel der Weltnichtrauchertag?
Zum Beispiel, ja. Aber auch andere "Stichtage" können Rauchstopp-Tage sein, zum Besispiel Geburtstage, Jahrestage, Festtage. Eigentlich eignet sich jeder Tag, auch wenn das Aufhören scheinbar nie passt. Deswegen hilft es, sich selbst - auch spontan - ein Datum zu setzen, ab dem nicht mehr geraucht wird.

Was halten Sie von Hilfsmitteln wie Pflaster und Co.?
Alles, was hilft, ist gut. Pflaster, Sprays und Kaugummis können helfen, den Nikotinentzug unterstützender zu gestalten. Auch Hypnose oder Akkupunktur können unterstützen.
Eine andere Möglichkeit sind Medikamente, die dafür sorgen, dass das Bedürfnis nach dem Suchtmittel Nikotin sinkt. Diese Medikamente können unter anderem Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder Übelkeit nach sich ziehen und müssen ärztlich verordnet werden.
Was dabei aber nie vergessen werden sollte: Auch die "Hilfsmittel" müssen nach drei, allerspätestens nach sechs Monaten ausgeschlichen sein.

Und wenn der Rauch-Stopp "nicht klappt"?
Das kann passieren. Einen Rückfall sollte ein Fast-Ex-Raucher aber niemals als Misserfolg erleben. Es zeigt nur, dass der Aufhörwillige sich noch einmal kümmern und das "Warum" ergründen muss: In welcher Situation ist der Rückfall passiert? Gab es gerade eine besondere emotionale Situation? War ich mit Leuten unterwegs, die geraucht haben? Daraus lassen sich Strategien ableiten und lässt sich noch einmal überdenken, was schon alles erreicht wurde und mit der Erfahrung "neu beginnen".
Das Bedürfnis zu rauchen, kann, muss aber nicht, lange oder sogar für immer bleiben. Es geht nur darum, dass der Ex- bzw. Nichtraucher dieses Verlangen nicht bedient. Ich kann ja jetzt auch gerade das Bedürfnis haben, nach New York zu fliegen - aber ich muss es nicht tun, sondern gleich den nächsten Raucher beraten.

Die kostenfreie Raucherberatung durch Monika Antweiler-Stutz findet an jedem 1. und 3. Dienstag im Monat im Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg und an jedem 2. Dienstag im Monat im Johanniter Krankenhaus Bonn statt (jeweils von 14 bis 16 Uhr).
Wer jetzt das Gefühl hat, sich mit Monika Antweiler-Stutz unterhalten zu wollen, mehr Information möchte, Fragen hat oder mit ihr gemeinsam eine Strategie für die Rauchentwöhnung suchen möchte, kann einfach zu den genannten Terminen kommen.