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Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg

„Wo möchtest du sterben?“: Häusliche Versorgung für schwerstkranke Menschen in Bonn und Umgebung bleibt gesichert

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) musste nach Gerichtsurteil neu organisiert werden – Malteser Zentrum für Palliativmedizin schließt Vertrag mit Kassen ab

18.12.2018

"‘Wo möchtest du sterben?‘, das ist mehr als nur eine Frage nach dem WO. Im Krankenhaus? Im Hospiz? Oder Zuhause? Es ist vor allem auch die Frage nach dem WIE. Sie umfasst Intimität, Beistand, Selbstbestimmung bis zum letzten Atemzug.“ Das berichtet die Ehefrau eines krebskranken Patienten.
Die letzte Lebensphase im vertrauten häuslichen Umfeld verbringen zu können – diesen Wunsch haben viele schwerstkranke Menschen. Im Jahr 2007 wurde der Anspruch, zu Hause in der letzten Lebensphase durch spezialisierte Fachleute versorgt zu werden, gesetzlich festgeschrieben. Doch zum Jahresende werden die Verträge, die diese Versorgung – die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) – regelten, ungültig. Eine gute Nachricht für Menschen in Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis: Das Zentrum für Palliativmedizin im Malteser Krankenhaus hat nun einen neuen Vertrag mit den Krankenkassen abgeschlossen, so dass die Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen im häuslichen Umfeld auch weiterhin gewährleistet ist.

Spezialisiertes Team für die Versorgung am Ende des Lebens
„Wir freuen uns sehr, dass die Kassen uns bestätigt haben, dass wir alle Kriterien für einen SAPV-Vertrag erfüllen und so dazu beitragen können, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu Hause spezialisiert zu versorgen“, erklärt Prof. Dr. Lukas Radbruch, Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin der Malteser. Über 500 Patienten betreut das SAPV-Team des Zentrums pro Jahr, darunter viele Menschen mit einer Krebserkrankung im Endstadium, aber auch mit fortgeschrittenen Lungen- oder neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS).
„Für die Betreuung und Versorgung dieser Menschen arbeiten in unserem SAPV-Team Ärzte und Pflegende, aber auch Sozialarbeiter und bei Bedarf weitere Spezialisten aus anderen Berufsgruppen eng zusammen“, so Prof. Dr. Lukas Radbruch. Dass die Arbeit des Teams nun wieder auf einer vertraglich geregelten Grundlage steht, freut ihn vor allem für die Betroffenen und ihre Familien: „Wir haben in den letzten Wochen erlebt, dass die unklare rechtliche Situation viele Betroffene verunsichert. Umso mehr freuen wir uns, dass wir nun sicher sein können, die Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase ab Januar mit der gleichen Qualität anbieten zu können wie bisher.“

Hintergrund: SAPV und die Rechtslage
Seit der Gesundheitsreform 2007 haben schwerstkranke und sterbende Menschen einen gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) im häuslichen Umfeld. Die dazu zwischen Leistungserbringern (Pflegedienste, Krankenhäuser etc.) und Kostenträgern (Krankenkassen) geschlossenen Verträge wurden durch das Oberlandesgericht Düsseldorf 2016 (VII-Verg 56/15) für ungültig erklärt, da die Verträge europaweit ausgeschrieben werden müssen, um dem EU-Wettbewerbsrecht zu entsprechen. Die Krankenkassen kündigten daraufhin alle entsprechenden Verträge zum Ende des Jahres 2018. In Nordrhein-Westfalen wurde als Alternative zu einer europaweiten Ausschreibung ein so genanntes Open-House-Verfahren etabliert: Alle Anbieter, die bestimmte Kriterien erfüllen, können einen Vertrag zur Erbringung von SAPV-Leistungen abschließen. In Bonn ist das Zentrum für Palliativmedizin im Malteser Krankenhaus nun das erste, das einen solchen Vertrag abschließen konnte.